Sige - Vorspiel Einer Traditionellen Hochzeit.
Am darauffolgenden Montag gingen Sam und ich in der Hoffnung an den Strand mit den Fischern auf Walfang zu gehen. Der Strand war zwar voller Leute, aber alle Boote standen noch unter ihren schuetzenden Ueberdachungen. Etwas spaeter fanden wir heraus, dasss an diesem Tag Teil einer traditionellen Hochzeit stattfand, Sige genannt in der hiesigen Sprache Lamaholot. Insgesamt gibt es 12 Klans in Lamalera und es muessen bestimmte Regeln und Sitten beachtet werden beim Thema Heirat. Die leute duerfen z.B. weder innerhalb ihres Klanes, noch in die direkte Familie der Geschwister ihrer Eltern einheiraten. An Sige, das immer vor der eigentlichen kirchlichen Hochzeit stattfindet, treffen sich die Klans der Braut und des Braeutigams und handeln die Aussteuer der Braut aus. Normalerweise handelt es sich dabei um zwei Elefantenstosszaehne, die dann so lange in der neu gegruendeten Familie bleiben, bis deren Sohn heiratsfaehig ist und sich eine Frau sucht. Waehrenddessen trifft sich der Rest des Dorfes am Strand, wo mehrere Schweine von den Maennern geschlachtet werden und die Frauen dann daraus ein Festessen zubereiten. Sobald diese Tiere zerteilt wurden, werden grosse Kannister voller Palmenwein und Zigaretten herum gereicht. Der Palmenwein ist selbst gemacht und enthaelt sehr viele Ameisen und andere Insekten, was niemandem etwas auszumachen scheint. Er ist relativ suess und schwach, man wird davon aber dennoch vor dem nachmittag betrunken. Waehrend diesem Besaeufnis hatten wir das Glueck Jeffrey zu treffen, ein Management-Student in Kupang und Sohn eines Besitzers eines Guesthouses in Lamalera. Jeffrey spricht sehr gutes Englisch und hat alle unsere Fragen ueber Lamalera geduldig beantwortet.Tenas - Die Boote Und Ihre Besatzung
Die ersten Einwohner von Lamalera kamen hierher von Sulawesi via Halmahera in Malukku nachdem ein grosser Tsunami ihre Heimat zerstoert hatte. Die oertlichen Fischer sind sehr geuebt darin Wale, Delfine, Manta Rochen und Haie auf ihre traditionelle Weise zu fangen. Das beinhaltet nahe an ihren Fang heran zu segeln um die letzte Strecke dann durch schnelles Rudern zu ueberbruecken. Dann springt der Harpunier vom vorderen Ende des Bootes auf den Ruecken des Wales und benutzt sein Koerpergewicht um die Harpune tief in das Fleisch des Wales zu stossen. Diese Art Walfang kann gefaehrlich sein und manchmal werden Leute verletzt, wenn sich Arme oder Beine in Seilen verfangen, Boote kentern, wenn der harpunierte Wal versucht zu tauchen oder Boote werden von einem verletzten Wal weit aufs Meer gezogen. Fast jeder Klan hat sein eigenes Boot, Tena genannt, das normalerweise eine Besatzung von 8 bis 12 Fischern traegt. Es wird geglaubt, dass jedes Tena eine Seele besitzt und sollte eines von ihnen sinken, dann ist das ganze Dorf eine lange Zeit in Trauer, da es ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft verloren hat. Waehrend dieser Zeit findet kein Walfang statt. Sollte ein Boot repariert oder wieder aufgebaut werden muessen, dann wird einer der Bootmacher, oder Molle oder Labak Tilo, gerufen. Jedes Boot hat seinen eigenen Bootmacher, von denen es nur sechs im ganzen Dorf gibt, aber ein Molle kann fuer mehr als ein Tena verantwortlich sein. Waehrend Reparaturarbeiten werden immer alte Teile des Bootes verwendet, damit die Seele des Tena erhalten bleibt. Eine weitere Aufgabe der Labak Tilo ist es einen gefangenen Wal in seine traditionellen 17 Teile zu zerlegen. Jedes Tena muss ein paar traditionelle Seile, sogenannte Geistesseile oder Leo, an Bord haben. Heutzutage werden diese Seile, die aus Baumwolle hergestellt werden, allerdings nur noch fuer den Fang von Manta Rochen verwendet. Staerkere und dickere Plastikseile werden nun fuer den Walfang hergenommen. Ein weiteres Zugestaendniss an moderne Zeiten ist die Verwendung von Motorbooten. Diese werden nicht direkt im Fang eingesetzt, sondern werden zur Sichtung von Walen eingesetzt und helfen, die Tenas nahe an die Wale heranzuziehen. Die Tenas werden komplett aus Holz hergestellt und keine Eisennaegel werden verwendet. Selbst die Segel sind nicht aus Stoff sondern aus miteinander verwobenen Streifen von Palmenblaettern. Wegen dieser traditionellen Art des Walfangs und der geringen Anzahl der pro Jahr gefangenen Walen ist es den Fischern von Lamalera immer noch erlaubt ihrer Tradition zu folgen. Jedes Teil des Tena entspricht einem Teil des menschlichen Koerpers. Die hoelzernen Ausleger entsprechen den Armen, das Ruder den Beinen, der vordere Teil ist der Kopf und der Kiel ist der Magen. Das Tena ist meistens nach seinem Besitzer benannt und mancha tragen sogar lateinische Inschriften an den Seiten. Insgesamt gibt es 17 Harpuniers, oder Lamafa, im Dorf, manche sind sogar schon 60 Jahre alt. Ihr Beruf wird normalerwiese vom Vater an den Sohn weiter gegeben und es dauert eine lange Zeit, bis der Lehrling alle noetigen Fertigkeiten beherscht. Es scheint aber schwieriger zu werden diese Tradition am Leben zu erhalten, da viele Kinder nach Flores zur Schule und nach Kupang an die Universitaet geschickt werden. Viele von ihnen finden spaeter besser bezahlte Arbeit ausserhalb von Lembata, die Zukunft von Lamalera als Walfangort scheint daher etwas unsicher zu sein. Zusaetzlich versucht der WWF zusammen mit einigen Bewohnern Alternativen zum Walfang zu suchen. Auf der anderen Seite gibt es aber Einwohner wie Jeffrey, die auf jeden Fall nach ihrem Universitaetskurs zurueck nach Lamalera kommen wollen um die alten Traditionen aufrecht zu erhalten und Lamalera weiter fuer den Tourismus zu oeffnen.Die Jagd Nach Walen
Die Walsaison dauert von Mai bis Oktober, obwohl Wale und andere Meerestiere das ganze Jahr ueber gejagt werden. Seit Mai diesen Jahres wurden schon 37 Wale gefangen. Nach 5 vollen Tagen in Lamalera, ohne dass auch nur ein Tena ausgelaufen ist, wollten Sam und ich eigentlich schon aufbrechen. Uns wurde gesagt, dass in den naechsten Tagen wegen zu grosser Wellen waehrend Vollmond, keine Boote auslaufen wuerden. Unsere Sachen waren gepackt und wir waren gerade mit dem Mittagessen fertig, als wir den Ruf ‘Baleo’ durchs Dorf hallen hoerten, was bedeutet, dass Wale gesichtet wurden und die Maenner alles bereit machen um aufs Meer zu fahren. Hier ein kleines Video von dieser Erfahrung (Video auf Englisch):Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.
Die Jagd war sehr emotional und verwirrend fuer mich. Ich fand, dass es viel zu leicht war so ein erhabenes Tier wie den Wal zu toeten. Diese Erfahrung war sehr viele Dinge, wie Sam es ausgedrueckt hat. Sie war sehr traurig, aber auch zur gleichen Zeit; sie war aufregend und aufwuehlend und vor allem war es etwas, dass keiner von uns wahrscheinlich jemals vergessen wird!
Tags: Indonesien, Lamalera, Wal
































Anita Keraf - 12 September 2007 @ 5:36
Dear Travellers…
My boss and I have seen your little video about whale hunting in Lamalera. But unfortunely our internet connection is not good, so we can’t see the video in good condition completely. I really hope (please…) if you could send me the copy of the CD to my address : Anita Keraf - Jln. Kayumanis Lama GG 5 No. 14, Jakarta 13140, Indonesia. For your information, Lamalera is my Hometown, but I was born in Jakarta, my parents come from there. I tried from long time ago to get the video of the Whale Hunt but so far I get nothing. Also my boss is eager to see the hunt of the whale after listening to my story about my village. So once again, I will be thankfull if you can grant my wish .
And hope your travel to Lamalera last time be a very good memory to you and hope that you can back again to Lamalera with some other friends of yours, and may be… who knows … we can met there.
Thank you for reading this my message and thank you for wrting nice thing about LAMALERA.
Regards,
Anita Keraf
traveljunkie - 12 September 2007 @ 15:58
Hello Anita,
no problem, I don’t know when exactly I’ll be able to send it, might be another few weeks. Right now I’m in East Timor and after that I’ll head up to Malukku, but you’ll get it. Promise.
I’ll send you the version before it was compressed, so you can play it in almost any player. The quality is better as well. Don’t expect too much of it, though. Personally I think the video could have been a lot better. Well, still glad you liked it so far…
Younus Salie - 27 Oktober 2007 @ 13:03
Hi
I am a wildlife filmmaker based in South Africa. I would love to make a film about the Whale Hunters of Lamalera & would like to know if you have any contatcs there that I could chat to in order to get the right permissions from villagers etc?
traveljunkie - 27 Oktober 2007 @ 15:03
Younus, I don’t think there is a telephone in Lamalera. There isn’t any internet, I know that. I couldn’t get any mobile reception neither while I was there. You’ll just have to turn up, I suppose…
Anita, I haven’t forgotten you! I’m back in Hervey Bay, Australia and I will send you the film in a few days…